Arbeit in Staatsbetrieben: nicht sinnvoll?

Zu Anfang des Arbeitslebens schlägt sich die neu erworbene berufliche Reife irgendwie dann auch recht schnell im Sozialleben nieder. Den unterschiedlichen Joberfahrungen kommt bei Treffen mit Freunden immer mehr Gesprächsraum und –zeit zu. „Wie´s denn so läuft in der Arbeit und mit dem Chef und so…“. Man erzählt gerne über seinen neuen Alltag, darüber, „wer“ jetzt so „was macht“ im Bekanntenkreis, über seine eigenen Errungenschaften und „wer“ schon „wo aufgestiegen“ ist.

Gewichtige Wörter wie „Management“, „ der Kunde“, oder „Budget“ tauchen auf einmal im Aktivvokabular auf. Plötzlich hat man unheimlich viele wichtige meetings, die einen fühlen lassen, dass man es geschafft hat, in diese begehrte Welt voller potentieller Anerkennung und Egofütterung Eintritt erhalten zu haben.

In letzter Zeit stelle ich in Gesprächen unter Freunden jedoch eine Verlagerung zu anderen Aspekten des Berufslebens fest. Nach einigen Jahren im Job ist die erste Euphorie verflogen, Illusionen haben längst der Realität Platz gemacht. Plötzlich drehen sich die Gespräche um die eigene Unzufriedenheit mit dem Arbeitsplatz. Der Chef ist unmöglich, die Arbeit monoton und langweilig, oder der Druck zu groß, die Freizeit zu spärlich gesät usw…

Vor kurzem bin ich wieder mal mit einem Grüppchen aus meinem Bekanntenkreis zusammengesessen. Anders an diesem Tag war nur, dass einige der Anwesenden in Staatsbetrieben oder staatsnahen Unternehmen angestellt waren. Was nun über staatliche Stellen geregelt werden sollte, vor allem das Ausmaß des staatlichen Eingreifens in die Gesellschaft, ist eine politische bzw. ökonomische Frage. Generell werden bei uns aber grundlegende Aufgaben wie die Gesundheitsversorgung, Umweltschutz, Bildung, Wirtschaftsentwicklung, Sicherheit etc. eher dem Verantwortungsbereich des Staates zugeordnet.

Ohne Frage handelt es sich dabei um äußerst spannende Themen, gerade weil sie von grundlegender Relevanz sind. Auf Vieles kann oder könnte unsere Gesellschaft verzichten, jene Aspekte betreffen uns aber alle. Also, spannende Themen – spannende Jobs … wäre die Schlussfolgerung, oder? So war zumindest meine Vermutung, abgesehen von bürokratisch administrativen Einlagerungen, die die Sicht auf das Wesentliche trüben. Und über die Trägheit des Staatsapparates bzw. seiner Insassen hört man ja auch immer wieder.

Und so ging es auch diesmal um Unzufriedenheit am Arbeitsplatz, nichts Ungewöhnliches also. Man könne „nichts bewegen“, jegliche Selbstinitiative werde erstickt oder sogar von Kollegen oder Vorgesetzten, die sich trotz zeitlicher Ressourcen einfach keine zusätzliche Arbeit aufhalsen möchten, sondern lieber eine ruhige Kugel schieben, aktiv im Keim erstickt. Besonders überraschend war jedoch eine Aussage darüber, wie sinnlos die Arbeit doch sei und dass man in der Privatwirtschaft mehr bewegen könne und sinnvollere Tätigkeiten hätte.

Und nun, Objektivität und Repräsentativität hin oder her, stellt sich doch die Frage, wie es um den öffentlichen Arbeitgeber bestellt sein muss, wenn man subjektiv den Eindruck hat, in rein gewinnorientierten Unternehmen der Privatwirtschaft bedeutendere Aufgaben bewältigen zu können als in den ureigensten Institutionen zur Sicherstellung der Energieversorgung, Nahrungsmittelgüte, Infrastruktur oder des Datenschutzes, jenen Bereichen, die die unmittelbarste Wirkung auf das Wohlergehen einer Gesellschaft haben?

2 Gedanken zu “Arbeit in Staatsbetrieben: nicht sinnvoll?

Schreibe einen Kommentar

Blogverzeichnis - Bloggerei.de