Außen Hui, innen Pfui – das Jobangebot

Ein imponierendes Betriebsgelände mit erstaunlich hellen und sauberen Produktionshallen sowie sämtlich erdenklichen freizeittauglichen Einrichtungen für Arbeitspausen erstreckt sich vor mir, freundliche Menschen laufen mir über den Weg. „Sie kennen dieses Unternehmen noch nicht. Hier wird noch sehr viel über Handschlag geregelt“. So wird sich meine Interviewerin die kommenden Monate noch des Öfteren äußern.

Heute möchte ich das vielleicht schrägste Kapitel in meiner bisherigen Karriere mit euch teilen. Ich werde dabei versuchen, möglichst faktennahe zu berichten, um nicht den falschen Anschein der beleidigten Leberwurst zu wecken. Sollte mir dabei doch der eine oder andere zynische Kommentar unterkommen, bitte ich um Nachsicht.

Ein Unternehmen, das sich damit rühmt, seine Steuern zu bezahlen und sich über jene, welche es in Stiftungen in Steueroasen vor dem Fiskus in Sicherheit bringen, verächtlich äußert. Das sich über eine gemeinnützige Stiftung gesellschaftlich auch über das rechtlich vorgeschriebene Ausmaß hinaus engagiert. Ein Unternehmen, das außerdem sein eigenes Putzpersonal anstellt und nicht, wie viele andere, einfach Leiharbeiter bezieht. In welchem der Geschäftsführer ankündigt, jeden ein Monat lang Toiletten putzen zu lassen, der meint, er könne sich über eine Putzfrau stellen. Kurz gesagt, ein Traum für alle, die ihren ethischen Ansprüchen nicht nur in ihrer Freizeit genügen wollen. Die meisten Angestellten sind langjährige Mitarbeiter, haben oftmals kaum etwas anderes kennengelernt. Umso wichtiger sei die „Außensicht“, welche quereinsteigenden Leuten wie mir scheinbar erwartungsvoll attribuiert wird.

Da war sie also, die so lange ersehnte Stelle. Endlich war mein langjähriger Wunsch, eine Entsendung in mein Lieblingsland, zum Greifen nahe. Ich hatte nach monatelangem Bewerbungsprozess mit anschließenden Verhandlungen endlich die Jobzusage bekommen. Dafür hatte ich fünf Bewerbungsgespräche, um sämtliche zukünftige Kollegen, die in irgendeiner Weise mit mir zu tun haben würden, von mir zu überzeugen, erfolgreich absolviert.

Nicht ohne Wehmut reichte ich nach Unterzeichnung meines neuen Arbeitsvertrages die Kündigung bei meinem alten Arbeitgeber ein. Ich war in einer spannenden Branche mit internationalem Bezug tätig, und das Beste daran: ich hatte ein wirklich gutes Verhältnis zu meinen Kollegen. Trotzdem hatte ich mich aufgrund fehlender Perspektiven zu diesem Schritt entschlossen. Stillstand ist eben Rückschritt.

Da die rechtlichen Bedingungen für die Zeit im Ausland angeblich immer noch nicht geklärt waren, hatte ich vorerst nur einen neuen österreichischen Arbeitsvertrag, aus welchem zumindest durch die Positionsbezeichnung die anstehende Entsendung hervorging. Zusätzlich dazu hatten wir die Entsendebedingungen bereits im Vorfeld sowohl mündlich als auch schriftlich vereinbart. Paranoia hin oder her, natürlich ging ich dabei das Risiko ein, niemals die Auslandstelle anzutreten. Was hätte alles noch dazwischen kommen können? Das Unternehmen hätte durch die Eruption eines bislang unentdeckten Vulkans unter Lava und Asche verschwinden können, die tollwütige Katze des Hausmeisters die Produktionshalle verwüsten oder die Stelle einfach gestrichen werden. Murphy´s Gesetz kennt keine Grenzen, ihr kennt das bestimmt. Wie auch immer, „no risk no fun“ war das Motto. Und gleichzeitig ging ich davon aus, dass sich die Firma sich das nach all dem Aufwand gut überlegt haben würde.

Es ging nun nämlich auch daran, eine neue Unterkunft zu organisieren, ein Umzug in eine andere Stadt stand an. Also schnell nach Wohnmöglichkeiten recherchiert, die für die unbestimmte Dauer von „einigen Monaten“ in Frage kommen würden. Emails ausgetauscht, losgedüst und einen Tag damit zugebracht, acht Stunden lang eine WG nach der anderen abzuklappern. Für so eine Chance nimmt man eben auch in Kauf, wieder auf kleinstem Raum zu hausen wie in alten Studentenzeiten.

(die Fortsetzung gibt es am 13. Oktober!)

4 Gedanken zu “Außen Hui, innen Pfui – das Jobangebot

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