Außen Hui, innen pfui – die Kündigung

Kurze Pause. „Wie bitte?“ Immerhin könnte ich mich ja doch verhört haben. Und wenn nicht könnte es immer noch ein Witz sein. Hahaha. Kurze Bestätigung durch meine beiden Gegenüber. „Aber wieso??“. „Wir sind nicht dazu verpflichtet, dir Feedback zu geben“, es kam wie aus der Pistole geschossen. Wohl vorher besprochen und bestimmt auch schon öfters geübt. Nach nochmaliger Nachfrage sagte man mir, dass ich bereits zweimal Feedback erhalten hätte. „Wir sehen dich einfach nicht in dieser Schlüsselposition“. Eine nichtssagende Aussage. Großzügig bot man mir gleich an, die ausgesprochene Kündigung in eine einvernehmliche Lösung umzuwandeln, ich könne mir das bis nach dem Wochenende überlegen und man könne ja dann telefonieren. Meine Chefin bot mir schlussendlich dann doch eine Rückmeldung im Folgemonat an. Schnell sollte ich noch das bereits ausgedruckte Kündigungsschreiben unterzeichnen. Ab sofort bräuchte ich auch nicht mehr wiederzukommen und sollte daher doch bitte gleich meine Zutrittskarte an der Rezeption abgeben sowie meinen Laptop am Schreibtisch zurücklassen.

Gesagt, getan. Und schwuppdiwupp war ich nach nur sieben Wochen wieder auf der „Straße“, nachdem ich zu Hause alles hinter mich gelassen hatte. Ohne meine neue Stelle wirklich angetreten zu haben. Und ohne jemals richtig angekommen zu sein.

Am gleichen Tag begab sich der Geschäftsführer volksnah zum regelmäßig stattfindenden „Frage-Antwort-Stelldichein“ mit der gesamten Belegschaft. Ich hätte da wohl einige Fragen gehabt. Waren es so schwerwiegende Gründe wie meine Bemerkung, dass ich wiederholte Jobwechsel niemandem vorwerfen würde, da mein eigener Lebenslauf recht bunt ist? Hätte ich am Morgen alle Nachbarbüros abklappern sollen, um einen guten Tag zu wünschen? Mir in der Betriebskantine doch immer nur einen Salat nehmen? Sind Sie davon ausgegangen, dass ich nicht vertrauenswürdig sei als ich von der üblichen Streckung von Kosten und dem Vorziehen von Umsatz in der Geschäftswelt gesprochen habe? Waren es niedere persönliche Instinkte oder gehen Sie davon aus, einen Menschen, der sich in passivem Lern- und Beobachtungsmodus befindet, nach kurzer Zeit als „unfähig“ zu Weiterentwicklung beurteilen zu können? Oder ging es vielleicht doch eher darum, dass ich über keinerlei Beziehungen zur Familie verfügte, nicht aus der Gegend stammte und, am allerschlimmsten, auf unseren Entsendevereinbarungen bestand? Aus den strahlenden Menschen sind jedoch längst verstrahlte Marionetten geworden und mein Interesse an Pseudokritik entschwunden.

Im Übrigen habe ich natürlich tatsächlich nichts mehr gehört. Und auch nicht nach der einvernehmlichen Lösung gefragt. Wozu denn? „Dies ist ein überaus korrektes Unternehmen“ war einer der Sätze, die mir während meiner kurzen Teilnahme am öftesten unterkamen. Dinge werden ja bekanntlich umso wahrer, je öfter man sie ausspricht. Wahrscheinlich hätte ich mich besser als Putzfrau bewerben sollen.

 

(Wer die komplette Geschichte noch einmal lesen möchte, kann das hier und hier tun)

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