Bewerbungstourismus und Kostenübernahme

Bist du arbeitslos und hast trotzdem Lust auf ein bisschen Tourismus? Wenn du dich fragst, wie du trotz finanzieller Einschränkungen und AMS-Urlaubsverbot ein bisschen etwas von der Welt sehen kannst, soll dir soll heute das Konzept des Bewerbungstourismus näher gebracht werden.

Wer sich international bewirbt, also sowohl in Europa als auch in Übersee, der bekommt wahrscheinlich das eine oder andere Mal auch Einladungen zu Bewerbungsgesprächen im Ausland. Ich hatte im Zuge meiner Bewerbungen bisher einige solcher Jobinterviews, bislang beschränkten sie sich jedoch auf Europa sowie auch entferntere Regionen Österreichs (nachzulesen hier).

Gemeinsam war allen Bewerbungsgesprächen im Ausland, dass sowohl die An- bzw. Abreise als auch bei Bedarf die Unterkunfts- bzw. Verpflegungskosten von der jeweiligen Organisation bezahlt wurden. Auch innerhalb Österreichs wurden oftmals diese Kosten vom potentiellen Arbeitgeber übernommen. Eine unrühmliche Ausnahme stellten meinen Erfahrungen nach bisher steirische Unternehmen dar, was natürlich aufgrund der kleinen Stichprobe keinesfalls repräsentativ sein muss.

Aber was sagt eigentlich die Gesetzgebung dazu?

In Österreich: es gibt keine gesetzliche Regelung.

Allerdings gibt es eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, dass der Arbeitgeber die Kosten zu übernehmen hat, wenn er den Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen hat. Nur wenn das Unternehmen die Kostenübernahme in seiner Einladung ausdrücklich ausschließt, fällt die finanzielle Last dem Bewerber zu (Verweis WKO).

Ist der Bewerber bei solch fehlendem Willen des potentiellen Arbeitgebers seinerseits wiederum trotzdem noch gewillt, das Vorstellungsgespräch wahrzunehmen, hat er immer noch die Möglichkeit, beim Arbeitsmarktservice (AMS) um Beihilfe anzusuchen. Eine zumindest teilweise Rückerstattung der Kosten für Anfahrt bzw. Rückfahrt, Übernachtung und Verpflegung ist über die sogenannte Vorstellungsbeihilfe vorgesehen, setzt jedoch eine finanzielle Notlage voraus. Details dazu können bzw. müssen in einem Beratungsgespräch geklärt werden. Jedoch Vorsicht: es wird ausdrücklich nur auf überregionale Vorstellungstermine hingewiesen! Für Arbeitssuchende im Ausland besteht nach Absprache mit der zuständigen AMS-Servicestelle zumindest die Möglichkeit auf einen Weiterbezug des österreichischen Arbeitslosengeldes für max. 3 Monate (nachzulesen hier und hier).

Wie sieht es bei unseren nördlichen Nachbarn aus? In Deutschland wird der Ersatz von Aufwendungen durch § 670 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) tatsächlich gesetzlich gelöst. Der Bewerber als Beauftragter kann davon ausgehen, dass er die erforderlichen Aufwendungen für die Erfüllung seines Auftrages vom Auftraggeber ersetzt bekommt.

Eine Ausnahme besteht allerdings auch dort, wenn der Arbeitgeber eine Erstattung der Kosten im Vorhinein ausschließt. Die Geschäftsanweisung zur Förderung aus dem Vermittlungsbudget zum Sozialgesetzbuch (SBG II) macht deutlich, dass der Bewerber im Falle der Nichtübernahme der Bewerbungskosten durch das Unternehmen mit einer Unterstützung durch die Bundesagentur für Arbeit rechnen darf. Da diesbezüglich kein Antragsformular auf der Website der Arbeitsagentur zu finden ist, sollte das Anliegen persönlich und jedenfalls VOR Antritt des Bewerbungsgespräches geklärt werden.

Entscheidungen auf Basis des §45 SBG III über die Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung deuten auf eine Übernahme der Kosten für Bewerbungsgespräche im EU-Ausland hin mit Bezugnahme auf die Freizügigkeit der Arbeitnehmer (mehr dazu hier und hier nachzulesen).

Was andere Länder betrifft, greift natürlich genauso die jeweilige lokale Gesetzgebung. Muss man aber tatsächlich als Bewerber zu einem Jobinterview ins Ausland reisen, wird meiner Meinung nach jeder seriöse Arbeitgeber die Kosten zumindest rückerstatten bzw. eventuell sogar gleich die Organisation der Übernachtung sowie Hin- bzw. Rückfahrt übernehmen. In Unkenntnis der Gegebenheiten vor Ort sollte dies ohnehin im Voraus mit dem Arbeitgeber abgeklärt werden.

Zu guter Letzt: Wenn alle Stricke reißen und man die Bewerbungskosten selbst tragen muss, besteht immer noch die Möglichkeit diese, bis hin zu Fachliteratur oder Büromaterial, im Rahmen seiner Steuererklärung als Werbungskosten abzusetzen.

Besonders spannend ist in Anbetracht dieser Regelungen, dass einige Menschen felsenfest behaupten, der Arbeitgeber hätte keine Verpflichtung die Kosten zu tragen, wie dieses Forum suggeriert. Vermittelt da die von manchen Unternehmen gelebte Praxis ein falsches Bild der gesetzlichen Lage?

Ich bin im Laufe meiner Bewerbungsphasen abgesehen von österreichischen Kleinstädten bereits in einige europäische Städte gelangt, darunter London, Brüssel, Genf, Berlin und Paris. Und auch wenn man natürlich aufgrund des gedrängten Bewerbungszeitplanes kaum Gelegenheit hat, die Umgebung richtig wahrzunehmen, freut man sich doch darüber, die EUR 30.- für einen kleinen Flammkuchen in der französischen Schweiz nicht selbst bezahlen zu müssen.

Also, gerade deshalb viel Spaß beim Tourismus der etwas anderen Art und nicht vergessen dem AMS Bescheid zu geben!! 😉

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