Das Arbeitsmarktservice – persönliche Erfahrungen

Die Erfahrungen mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) in Österreich sind wahrscheinlich so unterschiedlich, wie es Menschen gibt. Eines scheint sich jedenfalls durch die Bank zu ziehen: Termine für persönliche Vorsprachen werden prinzipiell nicht abgesprochen, sondern vorgegeben und sind einzuhalten. Genauso empfehlenswert ist, eine fühlbare Anzahl an Bewerbungen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes einzureichen. Ansonsten läuft man Gefahr, weniger passende Stellen weiter vermittelt zu bekommen, auf welche man sich dann eben auch bewerben muss. Wie lange die individuelle Leine gelassen wird, hängt offensichtlich stark vom zuständigen Betreuer, dem gesuchten Stellenprofil, sowie vermutlich auch von der eigenen Vertrauenswürdigkeit ab. So mancher hat innerhalb eines Dreivierteljahres seinen AMS-Betreuer nur drei Mal gesehen, während andere sogar monatliche Pflichtgesichtsbäder nehmen und Bewerbungstrainings absolvieren müssen.

Vor etwa einem Monat habe ich meinen Antrag auf Arbeitslosenunterstützung bei meiner Servicestelle abgegeben. Meine Betreuerin war wohl auf Urlaub, denn diesmal landete ich bei einer anderen Dame. Da ich zwei Wochen später bereits einen weiteren Termin bei einer wiederum neuen Betreuerin hatte, fragte ich nach, was denn dort so besprochen werden sollte. „Im dritten Stock? Ach, Sie sind Akademikerin! Dann müssen Sie ab jetzt zum Akademikerschalter.“

Ich hatte schon von diesem neuen Schalter für Menschen mit speziellen Bedürfnissen gehört und stellte insgeheim dessen Sinnhaftigkeit in Frage. Lustig, dass sich auch meine temporäre Betreuerin sogleich über die „neuen seltsamen Pläne“ ausließ, die so entstehen, wenn man versucht, die Arbeitslosenzahlen in den Griff zu bekommen. Fakt sei laut ihrer Aussage einfach, dass es zu wenige Arbeitsplätze gebe. Sie erzählte mir, dass sie um 22% mehr Arbeitslose hätten als noch im Vorjahr. Da helfe auch kein Akademikerschalter! Auf meine Nachfrage nach Weiterbildungsmöglichkeiten räumte sie gleichzeitig ein, dass das Budget dafür stark gekürzt wurde. Man hatte angeblich gesehen, dass die vielen Schulungen nicht das brächten, was sie sollten. Obwohl mich also die Dame in meinem Verdacht bestätigte, war ich erstaunt, wie offen sie Kritik an den Dienstleistungen ihres eigenen Arbeitgebers übte und fand sie gleich erfrischend sympathisch! 😀

Wie anders war doch mein Erstkontakt mit dem AMS noch vor einigen Jahren. Damals konnte man sich noch nicht elektronisch voranmelden, sondern musste erst an den Drachen im Erdgeschoss vorbei, die einen dann an richtige Menschen einen Stock darüber verwiesen. Ich war schon einmal mit so einem Drachen aneinandergeraten, als „er“ mich auf eine Nachfrage auf das Übelste anschnauzte.

Alles in allem waren meine Erfahrungen mit dem Arbeitsmarktservice bisher jedoch durchwegs positiv: Unterstützung, wo es sinnvoll war auf der einen Seite, die nötige Ruhe, um beruflich wieder Fuß zu fassen auf der anderen Seite.

Aber nun möchte ich wissen, wie es euch so mit dem Arbeitsmarktservice geht?

2 Gedanken zu “Das Arbeitsmarktservice – persönliche Erfahrungen

  1. Wie immer, das gesamte Spektrum!

    Ich hatte durchwegs gute Erfahrungen: man ließ mich in Ruhe, ich hatte in über 8 Monate gerade mal 4 Termine, wobei die ersten beiden innerhalb eines Monats waren. Ich habe auch nur zwei Jobangebote bekommen und sonst keinerlei Auflagen. Keine Pflichtkurse (ich konnte glaubhaft vortragen, daß mein Lebenslauf schon ganz gut aussieht und ich römische Zahlen auch beherrsche). Der Fairness halber muß ich aber darauf hinweisen, daß bereits die erste Betreuerin angedeutet hat, daß sie mit einem Akademiker mit meinem Hintergrund und der Arbeitserfahrung herzlich wenig anfangen können. O-ton: „Da werden wir sie nicht wirklich unterstützen können.“ Also ward die Unterstützung durch Ruhe gegeben. Auch bei der Umstellung auf Notstandshilfe (wieder disclaimer, ich habe immer am maximal möglichen gekratzt) mußte ich nur online „erscheinen“. Alles war sehr reibungslos und schnell. Der AMS Albtraum wurde mir also erspart. Empfehlen würde ich das ganze trotzdem nicht 😉
    Leider kam der Akademikerschalter zu spät für mich. Den hätte ich noch gerne erlebt.

    • hi Captain Kirk 🙂
      das klingt ja ganz gut, wenige Termine, andererseits auch kaum Stellen, die auf dich gepasst haben, offensichtlich. Wie auch immer, freut mich, dass du´s hinter dich gebracht hast! Verpasst hast du am Schalter sicher nichts.

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