Das Leben als Arbeitslose

Und so sitzt du an deinem Balkonfenster und hörst dem Regenprasseln zu, mitten am Tag und mitten unter der Woche. „Schön“, werden vielleicht jene unter euch denken, die seit 8h morgens in einem Büro oder sonstwo sitzen und arbeiten müssen. Oder dürfen?

Wie sieht denn so der typische Alltag eines temporär erwerbslosen Menschen aus? Lange schlafen, Dauerurlaub, faul auf der Couch hocken und Fernsehen? Oder finanzieller Notstand und Bewerbungsdruck?

Mein Wecker klingelt täglich um 7h, manchmal auch früher. Das heißt zwar nicht, dass ich gleich aufstehe, aber den Tag verschlafen ist nicht so mein Ding. Für einen Ausflug in die Berge oder einen Bewerbungstermin am anderen Ende der Republik schwinge ich mich auch schon mal um 4:30 aus dem Bett. A.m, wohlgemerkt ;).

Natürlich ist die Arbeitssuche das zentrale Thema, das den Tagesablauf bestimmt. Das hat mitunter mit dem finanziellen Einschnitt zu tun, den man erleidet (mehr Details hier). Gleichzeitig möchte die zuständige Stelle des Arbeitsmarktservices sicherstellen, dass das Sozialsystem nicht missbraucht wird und verlangt von dir als Arbeitslosengeldbezieher regelmäßige Nachweise über deine aktive Jobsuche (siehe auch hier).

Anders als noch vor einigen Jahren (zu Zeiten meines Bewerbungsmarathons) empfinde ich diesmal weniger Druck. Zum Einen sind die Reaktionen auf meine Bewerbungen um ein Vielfaches zahlreicher. Binnen weniger Wochen und in Folge einer überschaubaren Anzahl an Anschreiben habe ich bereits mehrere Einladungen zu Bewerbungsgesprächen erhalten. Zum Anderen habe ich mich mit mittlerweile mehr (Berufs-)Erfahrung vom Fehlgedanken befreit, sofort wieder in das nächstbeste Arbeitsverhältnis stürzen zu müssen. Das Leben ist kurz und wenn man mindestens ein Drittel seines Tages arbeitend verbringt, sollen möglichst viele Faktoren einfach „passen“. Oder nicht?

Geographisch gesehen ist man etwas eingeschränkt, da man selbst bei Bewerbungsterminen im Ausland für die Zeit auf die Unterstützung des Staates verzichten muss. Zumindest laut Auskunft der Dame der AMS Info-Hotline. Verständlich, dass man nicht am Strand von Caorle auf Staatskosten bräunt, aber sollte es nicht auch im Interesse der Allgemeinheit liegen, wenn ein Arbeitsloser wieder aus dem Status eines Sozialempfängers herauskommt, egal wo?

Angesichts der Beschränkungen dieses neuen Lebensabschnittes, in welchem man sich zugegebenermaßen zumindest die Zeit flexibler einteilen kann als in einem Beschäftigungsverhältnis ist ein guter Zeitpunkt gekommen, neue Gewohnheiten zu entwickeln bzw. Möglichkeiten zu entdecken. Z.B, wie man mit weniger Geld trotzdem gut über die Runden kommt. Aber die größte Veränderung ist wahrscheinlich der plötzliche Gewinn an geistiger Freiheit, die Zeit, sich zu informieren und Gedanken über Gott und die Welt zu machen. Und welche Prioritäten man überhaupt im Leben hat.

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