Der ominöse Akademikerschalter

Heute möchte ich euch von meinem kürzlichen Besuch bei meiner neuen Beraterin berichten. Und, um es gleich vorwegzunehmen, es war ein überraschend positives und angenehmes Treffen.

Beim sogenannten „Akademikerschalter“ handelt es sich laut Auskunft um ein Pilotprojekt, das zur Zeit nur in meiner Servicestelle läuft und das bei Erfolg (wie auch immer der definiert werden soll?) auch auf andere Servicestellen ausgeweitet werden soll. Ich bin also zusammen mit weiteren 2000 (!) registrierten Diplomträgern an meiner AMS-Stelle Versuchskaninchen.

Die Änderungen im Vergleich zum bisherigen Ablauf umfassen die Präsenztermine. Ab sofort soll es nur mehr zwei persönliche Vorsprachen pro Jahr geben. Das klingt ja schon mal ganz gut, oder? Dafür soll auf Online-Betreuung umgestellt werden. Das bedeutet, dass sämtliche der erfolgten Bewerbungen, angesetzten Jobinterviews und Antworten der Firmen von dir in dein Profil eingetragen werden müssen.

Und sollte das AMS eine Stelle als für dich passend empfinden, bekommst du eine Nachricht mit dem Stellenprofil über dein persönliches Konto zugeschickt. Dabei muss ich nicht mehr erwähnen, dass du dich darauf binnen 8 Tagen bewerben musst. Oder, wenn dem AMS dabei ein Fehler unterlaufen ist und die Stelle absolut ungeeignet für dein Profil ist, kannst du deiner Betreuerin immer noch eine Nachricht mit einer Erklärung für deine Nicht-Bewerbung schicken.

Der Hintergrund dieses Extra-Schalters liegt nun angeblich in den speziellen Bedürfnissen der Zielgruppe mit Uni-Abschluss. Und an der auch hier stark angestiegenen Arbeitslosenquote. Angeblich hätten Akademiker zwar ein hohes Selbsthilfepotential, warum jedoch dann eine speziell zugeschnittene Betreuung eingeführt werden soll, ist mir nicht ganz klar geworden. Vielleicht liegt es daran, dass nun durch die verstärkten Online-Services zusätzlich Kapazitäten für andere Zielgruppen unter den Arbeitslosen frei werden? Sieht man sich die Arbeitslosenquote von Juli 2015 an, verstärkt sich der gewonnene Eindruck. Arbeitslose Akademiker sind um 18,6% zahlreicher als noch im Vorjahr, Menschen nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft sind um ganze 21,5% „arbeitsloser“ geworden.

Wie auch immer, das AMS scheint sich in den letzten Jahren spürbar immer mehr in Richtung Service zu orientieren. Das kann man unter anderem daran erkennen, dass die Mitarbeiter sehr freundlich sind, fast schon wie im Tourismus 😉 und andererseits an der neuen Youtube Präsenz: hier findet ihr ein Anleitungs-Video für die Benutzung des eAMS Kontos:

https://www.youtube.com/watch?v=zmT9u0gYMNo“>https://www.youtube.com/watch?v=zmT9u0gYMNo“ target=“_blank“&gt

Oder sollte man diese Online-Betreuung kritischer betrachten, gerade in Anbetracht der zunehmenden Sammlung elektronischer Daten?

1 Gedanke zu “Der ominöse Akademikerschalter

Schreibe einen Kommentar

Blogverzeichnis - Bloggerei.de