(Moderne) Kommunikation am Arbeitsplatz

Skype, Facebook, Whatsapp, … und weiss der Geier, über welche weiteren Mittel moderner Kommunikation Vertreter des Jahrgangs vor 1985 schon den Überblick verloren haben. Die Rede ist von diesen lästigen Tamagotchis, die permanent nach Aufmerksamkeit schreien und gefüttert werden wollen. Ständig blinkt oder piepst irgendein Gerät und da ist es vollkommen egal, ob man gerade mit echten Menschen ein Gespräch führt oder einfach mal für sich seine Notdurft verrichtet. Da die Bedürfnisse dieser kleinen Geräte in jedem Fall sofort befriedigt werden müssen, steigt die Zeit, die man mit ihnen täglich verplempert zumindest indirekt proportional, wenn nicht sogar exponentiell zur Anzahl der installierten Applikationen.

So gesehen, müssten wir mittlerweile eigentlich wahre Meister der Kommunikation geworden sein.

 

Nur halt so überhaupt nicht….

Besonders bereichernd dürften die modernen Errungenschaften für unsere Kommunikationsfähigkeiten nicht gewesen zu sein. Egal, ob auf politischer Ebene oder in Diskussionen, privat oder in der Arbeitswelt, das Konversationsniveau hat definitiv einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Da wird kein Dialog geführt, sondern pauschaliert, in schwarz oder weiss kategorisiert, unterbrochen, weil man eh schon weiss, was der andere sagen will, unsachlich argumentiert, wenn überhaupt und sogar beschimpft. Wer es schafft, einmal seinen Mund zu halten und zuzuhören, zählt wahrscheinlich schon zu den Freaks.

Über die Generation, die ihr Smartphone als natürlich gewachsene Verlängerung ihrer Extremitäten betrachtet und die im Café zwar physisch miteinander am Tisch sitzt, sich jedoch lieber ihren virtuellen Kontakten widmet, ist wahrscheinlich ohnehin schon viel geschrieben worden. Aber hat eigentlich jemals schon jemand hinterfragt, warum wir prinzipiell immer denjenigen benachteiligen, der wahrhaftig vor uns steht und mit uns spricht?

Sehen wir uns im Zusammenhang damit nun auch die Art der Kommunikation am Arbeitsplatz an, wie sie heute so typisch ist. Bespricht man mit dem Kollegen ein bestimmtes Thema und klingelt das Telefon, kann man davon ausgehen, dass dieser der Anfrage von außen mehr Priorität einräumt, das Gespräch unterbricht, abhebt und die Anfrage des Anrufenden klärt. Da kann es schon mal vorkommen, dass man in einem kurzen Gespräch fünf Mal unterbrochen wird und besser daran gewesen wäre, den jeweiligen Kollegen auch einfach anzurufen.

Vor allem jedoch der Missbrauch des Emails als Kommunikationsmittel hat so einige skurrile Entwicklungen mit sich gezogen.

„Hallo Hr. Soundso. Ich brauche dringend eine Analyse zu den Verkaufszahlen. Können Sie mir bis morgen Früh einen Bericht zu den aktuellen und Planzahlen zusammenstellen. Danke“

Dem Inhalt nach müsste man davon ausgehen, dass dieser Auftrag möglichst mündlich erfolgt ist. De facto werden solche Anfragen jedoch mit einer dermaßen unhinterfragten Selbstverständlichkeit per Email verschickt, dass es einer Sau graust. Wie „dringend“ kann denn überhaupt eine Anfrage sein, deren rechtzeitiger Erhalt durch den Adressaten nicht einmal sichergestellt wird. Für deren Erledigung vielleicht nicht einmal alle benötigten Informationen vorhanden sind und für welche auch nicht klargestellt wurde, ob sie richtig verstanden wurde.

Aber es geht weiter. Nicht nur erhält man angeblich dringende Aufgaben per Email mitgeteilt, sondern bekommt absurderweise auch Emails von Kollegen aus dem gleichen Büro. Dabei geht es um Inhalte wie „Können Sie mir das bitte erklären“ oder „Wie sieht´s damit aus“? Gespräche, die mündlich in wenigen Sekunden geklärt werden könnten, werden über die Tastatur in ewigen Emailschleifen künstlich ins Endlose gezogen. Bis hin zu Vorgesetzten, die permanent schriftlich Druck sogar aus dem Nebenzimmer aufbauen, aber unfähig sind, einen Gruß am Gang zu erwidern.

Und wer kennt sie nicht, die fleissigen Kollegen, die auf Teufel komm raus Emails hinausschießen und binnen Sekunden antworten. Jede auch noch so irrelevante Information wird mitgeteilt, „Ja, werde ich machen“ anstatt einfach zu machen. Die prompte Beantwortung von Emails scheint als Arbeit betrachtet zu werden und ist damit wichtiger als an den eigentlichen Aufgaben zu arbeiten.

In einer Gesellschaft, die sowieso nicht einmal mehr schriftlich in ganzen Worten und Sätzen kommuniziert, sondern nur mehr vermeintlich selbsterklärende Bilder und Emoticons verschickt, sollte man sich eigentlich auch nicht wundern, wenn Kollegen aus der Arbeitswelt ihre Gedanken nicht einmal in einem Email strukturiert und mit Rücksicht auf die überquellenden Inboxen ihrer Opfer auszudrücken fähig sind.

Folgende Regeln solltest du also auf jeden Fall einhalten, wenn du als beruflich erfolgreich angesehen werden möchtest, hier sind die Must Haves der Kommunikation für die Karriere im 21. Jahrhundert:

  1. Je dringender eine Anfrage, desto eher solltest du sie per Email stellen.
  2. Je geringer die räumliche Distanz zu einem Arbeitskollegen, desto eher solltest du schriftlich mit ihr oder ihm kommunizieren.
  3. Je mehr Emails du beantwortet hast, desto mehr hast du gearbeitet und je mehr Emails du verschickt hast, desto mehr hast du die Welt verändert.
  4. Je wichtiger ein Thema ist, desto öfter solltest du deine Kollegen per email daran erinnern. Das hilft ihnen, die wichtigen hundert Emails aus den insgesamt tausend Emails herauszuklauben.

Darüber hinaus, auch privat verwertbar:

  1. Falls du dich in einer Diskussion doch einmal versehentlich verbal mündlich äußern solltest, achte darauf, den anderen zu besiegen. Erkenntnisgewinn wird überschätzt.

Kommunikation aus der Ferne hat immer Vorrang. In Zeiten moderner Kommunikationstechnologien scheint die Welt verlernt zu haben, direkt und persönlich miteinander zu kommunizieren. Vielleicht ist dieser Sketch gar nicht so weit an der Realität vorbei:

https://www.youtube.com/watch?v=1EBfxjSFAxQ

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