Neuer Job – Gestrandet in den USA

Diese Blogpause war leider viel zu lange, auch wenn der Grund dafür eigentlich ein erfreulicher ist: der neue Job, durch den es mich, zumindest temporär, in die USA verschlagen hat. Nichtsdestotrotz möchte ich die ersten Eindrücke vom (Arbeits)Leben in einer amerikanischen Kleinstadt teilen.

Klischees gibt´s ja überall, aber manche stimmen halt auch. Amerikaner sind übergewichtig. Das geht soweit, dass man hier eigentlich schon zwischen normal dick und richtig fett („big“) unterscheidet. Das Gute ist, dass in den USA auch dicke Menschen Nachrichtensprecher werden können. Kein Wunder. Wenn man Salat bestellt, bekommt man einen Haufen Chicken Nuggets auf ein paar Blättern Grünzeugs, das dann hoffentlich nicht auch noch zu Tode frittiert ankommt. Die Auswahl beim Essen gehen besteht im Prinzip darin, sich zwischen verschiedenen Burgern zu entscheiden und das fast ausschließlich in Fastfood-Ketten. Im Supermarkt hingegen findet ihr alles, wirklich ALLES. Außer halt richtigen Nahrungsmitteln. Dafür jede Menge Zutaten für euren ersten Chemiebaukasten und eine Auswahl und Intensität an Farben, die jedem Kindergeburtstag Konkurrenz machen würden. Auf der Bewegungsseite sieht es genauso schlecht aus. Die Stadt ist so konzipiert, dass man einfach kaum zu Fuß gehen kann. Es gibt zwar manchmal Gehsteige, diese sind jedoch prinzipiell menschenleer.

Nachdem du dich an der Tankstelle ein paar Mal zum Vollidioten gemacht hast, weil du erst mal eine halbe Stunde brauchst, um herauszufinden, dass du entweder VOR dem Tanken zahlen musst ODER mit einer heimischen Kreditkarte, scheiterst du allerspätestens an den Mengenangaben. Gallonen dort, Miles, Inches, Yards, Feet sonst, Fahrenheit verwirren dich sowieso, wer soll diese verdammte Formel im Alltag anwenden?! Wirst du nach all den Fettnäpfchen endlich mal einfach nur nach der Uhrzeit gefragt, kannst du aber so richtig auftrumpfen (vergiss nur vorher nicht, die Uhr auf die lokale Zeit umzustellen)

Das Gute an den Amerikanern ist: sie werden dir deine faux-pas nicht übel nehmen, dazu sind sie einfach zu freundlich. Manche würden sagen „oberflächlich“, vielleicht könnte man aber auch einfach sagen „gut erzogen“. In Sachen Umgangston könnten sich jedenfalls viel Europäer eine Scheibe abschneiden. Der Kunde ist König in den Staaten: Yes, Ma´am!

Dabei hätte der Amerikaner wirklich einige Gründe, worüber er betrübt oder wütend sein könnte. Am Arbeitsplatz herrscht Druck, alle Familieneinkommen werden benötigt und die Jobs sind rar. Der Anteil an Kollegen, die über (regelmäßige) Kopfschmerzen klagen oder an Krankheiten wie Diabetes leiden, ist erschreckend. Darüber freuen sich wohl besonders ein spezieller Zweig der Nahrungsmittelindustrie, der in den Werbepausen im Fernsehen eigene diabetikergeeignete Lebensmittel anpreist und die Pharmaindustrie, die gefühlt den größten Anteil einnimmt und überproportional viel Medikamentenwerbung schaltet.

Die Kosmetikindustrie hat in den USA wiederum definitiv einen Nachteil – das Duschwasser hier lässt die Haare nach spätestens zwei Wäschen von selber stehen – wer bisher Haarspray verwendet hat, kann ab nun getrost darauf verzichten.

Dicht gefolgt von Medikamentenwerbung ist Werbung für diverse Versicherungen, das Leben in den Staaten ist einfach unheimlich gefährlich. Flood insurance, life insurance, insurance für Veteranen („We know how to serve“), Versicherungen gegen schlechte Versicherungen und man stelle sich vor, man hätte keine Versicherung als Autobeifahrer! Ok, Naturkatastrophen sind hier definitiv ein größeres Thema als in Europa. Dies spiegelt sich im Übrigen auch in der Wettervorhersage wider, die etwa 90% der gesamten Nachrichten einnimmt und immer sehr aufgeregt präsentiert wird. Auch, wenn es einfach nur regnet.

Anders wird mit Risiken umgegangen, die sich aus dem Umgang mit Waffen ergeben, da setzt sich wohl eher das Prinzip „freedom“ durch. Schusswaffen sind, wenn nicht schon praktisch Kinderspielzeug, dann doch zumindest ein Werkzeug, mit dem es umzugehen lernen gilt. Bereits Kleinkinder üben mit BB guns. Da ist es also nicht ungewöhnlich, wenn die Kollegin in der Mittagspause aufgeregt darüber berichtet, dass der Sohn im Teenageralter am Wochenende mit einer BB Kugel im Kopf nach Hause gekommen ist und sich daraufhin sämtliche amerikanische Kollegen mit ihren eigenen Geschichten über Kugeln im Körper zu Wort melden.

Dann hilft einem nur mehr der Glaube an sein Football-Team oder, besser noch, Jesus. Aber halb so schlimm, denn Jesus and the Lord are everywhere!

2 Gedanken zu “Neuer Job – Gestrandet in den USA

  1. Gratuliere zum Job :)!

    In welcher Branche ist er? Und anscheinend lernen die Iren auch fleißig von den Amis, viele der Stereotypen finde ich auch hier in Cork vor :l Wenn auch zum Glück nicht alle, z.B. Gehsteige gibt es hier zu genüge (wenn zum Teil auch so eng, dass man meinen könnte sie wären für Zwerge konzipiert)

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